Überblick über die offiziellen PoE-Standards (und warum Hersteller unterschiedliche Bezeichnungen verwenden)

Dieser Blogartikel bietet einen klaren Überblick über die offiziellen IEEE-PoE-Standards und erklärt, warum Hersteller unterschiedliche Terminologien verwenden. Mit diesem Wissen können AV-Profis fundiertere Entscheidungen bei der Planung, Installation und Wartung von AV-over-IP-Netzwerken treffen.

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NETGEAR Enterprise

PoE in AV-Anwendungen

In AV-over-IP-Netzwerken sind Zuverlässigkeit und Kompatibilität entscheidend. Immer mehr AV-Geräte werden über Power over Ethernet (PoE) mit Strom versorgt, sodass ein einziges Netzwerkkabel sowohl Daten als auch Strom überträgt. Das vereinfacht Installationen erheblich – insbesondere in komplexen Umgebungen wie Theatern, Konferenzzentren oder historischen Gebäuden.

Doch die große Vielfalt an PoE-Bezeichnungen und -Standards sorgt häufig für Verwirrung bei AV-Technikern, Integratoren und Systemplanern. Was bedeuten Begriffe wie „PoE+“, „Ultra PoE“ oder „4PPoE“ eigentlich? Und wie lässt sich feststellen, ob ein Switch oder eine Kamera mit der vorhandenen Infrastruktur kompatibel ist?

Die offiziellen PoE-Standards

**IEEE 802.3af (PoE)**
Eingeführt im Jahr 2003, war dies der erste offizielle PoE-Standard. Er liefert bis zu 15,4 Watt Gleichstrom über Cat5-Kabel, wobei nach Berücksichtigung von Kabelverlusten etwa 12,95 Watt nutzbar sind. Das war ausreichend für frühe PoE-Geräte wie IP-Telefone und einige drahtlose Access Points.

**IEEE 802.3at (PoE+)**
Veröffentlicht im Jahr 2009, erhöhte PoE+ die maximale Leistung auf 30 Watt und unterstützt damit anspruchsvollere Geräte wie PTZ-(Pan, Tilt, Zoom)-Sicherheitskameras und neuere drahtlose Access Points. PoE+ ist abwärtskompatibel zu 802.3af, was bedeutet, dass ein PoE+-Switch auch ältere PoE-Geräte mit Strom versorgen kann.

**IEEE 802.3bt (PoE++ oder 4PPoE)**
Genehmigt im Jahr 2018, führte dieser neueste Standard zwei neue Typen ein: Typ 3 (60 Watt) und Typ 4 (90 Watt). Er ermöglicht die Stromversorgung von leistungsstarken Geräten wie LED-Beleuchtung, interaktiven Displays und Laptops. PoE++ oder 4PPoE nutzt alle vier Adernpaare eines Netzwerkkabels, um die erhöhte Leistung zu übertragen.

Vergleich der PoE-Parameter

IEEE-Bezeichnung Typ 1 Typ 2 Typ 3 Typ 4
Allgemeine Bezeichnung PoE PoE+ PoE++ / 4PPoE PoE++
Leistung am PD 12,95 W 25,50 W 51 W 71,3 W
Maximale Leistung vom PSE 15,40 W 30,0 W 60 W 90 W
Spannungsbereich (PSE) 44–57 V 50–57 V 52–57 V
Spannungsbereich (PD) 37–57 V 42,5–57 V 41,1–57 V
Maximalstrom 350 mA 600 mA / Adernpaar 960 mA / Adernpaar
Kabelwiderstand 20 Ω (Kat 3) 12,5 Ω (Kat 5)
Leistungsklassen 1–3 1–4 oder LLDP 1–6 oder LLDP 1–8 oder LLDP
Temperaturreduktion Keine 5 °C (2 Paare) 10 °C (4 Paare) 10 °C (geplant)
Unterstützte Verkabelung Kat 3 & 5 Kat 5
Modi Modus A/B Modus A/B Modus A/B/4-Paar 4-Paar verpflichtend

(Quelle: Wikipedia)

Warum Hersteller unterschiedliche PoE-Bezeichnungen verwenden

Marketingstrategien
Um sich abzuheben, verwenden Hersteller häufig einprägsame Bezeichnungen wie „Ultra PoE“ oder „High Power PoE“, selbst wenn diese innerhalb der IEEE-Standards liegen.

Kompatibilität und Spezifikationen
Einige Anbieter entwickeln proprietäre PoE-Lösungen, die für ihre eigenen Geräte optimiert sind, was zu Begriffen wie „Enhanced PoE“ führt.

Innovation und Differenzierung
Hersteller können neue Funktionen einführen, bevor diese standardisiert sind, und verwenden eigene Namen, um ihre Forschungs- und Entwicklungsarbeit hervorzuheben.

Wissenslücken bei den Nutzern
Viele Endnutzer sind mit den IEEE-Standards nicht vertraut. Anbieter nutzen vereinfachte Begriffe, um nicht-technische Zielgruppen anzusprechen – auch wenn diese technisch nicht ganz präzise sind.

Fazit

Während die IEEE klare PoE-Standards definiert, verwenden Hersteller häufig unterschiedliche Bezeichnungen und Marketingbegriffe. Das kann zu Verwirrung führen, wird jedoch meist durch Markenstrategie, Produktdifferenzierung und Wissenslücken bei den Nutzern verursacht. Wer die offiziellen Standards kennt und die Produktspezifikationen genau prüft, kann fundiertere Entscheidungen für die eigenen Netzwerkanforderungen treffen.

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